Deutsches Volkslied & der Blick von Außen

Herzlich willkommen Foren Folkmusik Deutsches Volkslied & der Blick von Außen

Dieses Thema enthält 17 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  John E Dallas vor 4 Jahre, 2 Monate.

Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 18)
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    Suchender
    Teilnehmer

    Schon zwei Projekte, die auch hier im Forum angesprochen wurden,
    bedienten sich des Blicks von Außen,
    um sich mit dem, etwas problematischen,
    Thema des deutschen, sogenannten Volksliedes
    zu beschäftigen…

    „Geisterbahn“ ist eine CD-Unternehmung, auf der profi-musizierende Englisch-Muttersprachler,
    allesamt in Deutschland sesshaft, verschiedene traditionelle Lieder unserer Heimat eingesungen haben,
    weil sie der Meinung waren, die Einheimischen sängen sie zu wenig.

    http://www.wdr3.de/musik/musikkulturenbeiwdr3/konzert486_ga-1_pic-1.html

    ( Mitschnitt des ersten, evtl. einzigen Konzerts, das alle Künstler der „Geisterbahn“ auf der Bühne zusammenbringt )

    „Sound of Heimat“ ist ein Kinofilm, der die Plätze und Orte aufsucht, an dem besagtes Liedgut doch noch gesungen wird,
    und schickt den, in Neuseeland geborenen,
    Musiker Hayden Chisholm los, sich dort umzusehen,
    die ihm – und uns – fremden Gebräuche zu erkunden.

    http://www.soundofheimat.de

    …ohne Wissen davon, begann nun ein befreundeter Künstler ebenfalls jene Lieder für sich zu entdecken und zu singen…

    …jedoch in der Rolle US-Amerikaners Aitchy, und auch mit dazugehörigem, passendem Akzent..

    …zusammen mit seiner Duopartnerin, als AITCHY& ELSE

    http://www.youtube.com/watch?v=GWhSvb5ufGA

    …mein Lieblingslied, in ihrer Interpretation, ist leider nicht im Netz: In einem kühlen Grunde!

    http://www.myspace.com/klangschaftunerhoert

    ….ganz zufällig traf ich vor Kurzem auf dieses Projekt, wo in den Verzierungen ebenfalls der
    „Blick von Außen“ zu, ja, hören und vermuten ist…
    Vielleicht oder wahrscheinlich kam man vom Irish Folk zum „Eigen Folk“:

    http://www.neue-volkslieder.de

    Sehr hübsch!

    Viel Spaß!

    #1631

    Filkbardin
    Teilnehmer

    Hallo K(n)opflos!

    Herzlichen Dank für diese Links!
    Besonders der Trailer zu dem Film. Weißt Du wann der in die Kinos kommt?

    Das Thema an sich ist sowieso meins. In den Achzigern bin ich auch über Anglo/Amerikanisch/Irischen Folk zum deutschen Folkrevival gekommen.
    Da fiel mir dann erst auf, wie schön einige Lieder sind. Die Arrangements, in denen ich sie von den Platten meiner Eltern kannte zerstörten diese Schönheit, machten sie ungenießbar wie ein Übermaß an Salz oder Zucker auf einer sonst köstlichen Speise.
    Auf youtube gibt es einen User namens Garibelon, von dem ich das erste Mal eine Version von Ännchen von Tharau hörte, die mich anrührte.

    Leider gibt es hier vor Ort keine echte Tradition mehr, mir wurde selbst erst mit über 30 bewusst, wie groß die Bedeutung des Steigerliedes (Glück auf) überhaupt für meine Familiengeschichte ist. Wie man die Tradition wieder beleben kann weiß ich aber auch nicht, die Kneipen, die Mitsingabende veranstalten sind rar gesät, mit etwas Glück gibt es „Open Stage“.
    Mittlerweile habe ich über Musikerforen und Liverollenspiel viele Leute getroffen, die auch gerne singen und dankbar vieles annehmen, aber wir sind nur ein kleines verlorenes Häuflein, so kommt es mir vor.

    Entschuldigung, wenn mein Beitrag so sprunghaft ist, das Thema wühlt mich auch etwas auf, ich habe unendlich viele Gedanken dazu.

    Liebe Grüße vom Niederrhein, wo Günter Gall in den Achzigern schon etliche Liedschätze gehoben hat, die aber leider immer noch übersehen werden.

    #1633

    Suchender
    Teilnehmer

    Hallo Alrunia!

    ….eben als ich hier antworten möchte, beginnt auf ARTE der wunderbare Film „Tess“ von Roman Polanski, der von einer Concertina eingeleitet beginnt,
    die, zusammen mit einer Tuba und Fidel, einen Reigen junger Mädchen auf dem Weg zum Maientanz anführt!

    Und noch etwas, so nebenher: als ich einem anstehenden Konzerttermin in einem kölner Lokal nachging, fand ich das diese Band sich auch des Volksliedes angenommen hat…das scheint wohl in Mode zu sein?!

    http://www.tritorn.de/cd.htm

    alrunia wrote:
    …der Trailer zu dem Film. Weißt Du wann der in die Kinos kommt?

    „Sound of Heimat“ lief schon Anfang des Jahres in den Kinos,
    war aber, bei einer kleinen Gemeinde, so erfolgreich, daß es lohnen könnte, das Programm kleinerer, besonderer Kinos im Auge zu behalten- vielleicht wird er mal wieder gezeigt.

    Auch ist der Film vom WDR mitproduziert, so das davon auszugehen ist, daß er bald mal dort im TV laufen wird.

    Später mehr…viele Grüße!

    #1634

    imported_kawewue
    Teilnehmer
    K(n)opflos wrote:
    Und noch etwas, so nebenher: als ich einem anstehenden Konzerttermin in einem kölner Lokal nachging, fand ich das diese Band sich auch des Volksliedes angenommen hat…das scheint wohl in Mode zu sein?!
    http://www.tritorn.de/cd.htm

    „Deitsch “ kennt ihr? (http://www.deitsch.de)

    http://www.youtube.com/watch?v=Nz8cE3lq1Xo

    http://www.youtube.com/watch?v=wTedBW4TJbc

    http://www.youtube.com/watch?v=xg05IrMxS3E

    Gruß, Klaus

    #1635

    John E Dallas
    Teilnehmer

    Hi, K(n)opflos!

    Ein sehr interessanter Beitrag!

    Ich muss sagen, mein Profil passt haargenau zu denen der Jungs von Geisterbahn – in Irland geboren, als Kind in Schottland ansässig, dann zurück nach Irland, als gerade die moderne Folk-Bewegung hochlief. Dort machte auch ich meine ersten Schritte als Vortragskünstler. Ich bin auch jahrelang in Deutschland wohnhaft und musikalisch tätig, und habe auch eine deutsche Frau.

    Und ich würde jede Aussage, die die Geisterbahner über German Folk gemacht haben, sofort unterschreiben.

    Es ist für einen Britischen Insulaner kaum nachvollziehbar, dass ein Volk einen so reichhaltigen Schatz an Liedgut – Texte wie Melodien – brach liegen lässt, wie die Deutschen es tun.
    Kleine Anekdote: Während eines Kanalbooturlaubs in Mittelengland mit einer andere deutschen Familie gerieten wir abends in eine Pub-Session. Als ruchbar wurde wurde, dass Deutsche anwesend waren, wollten alle sofort und unbedingt „Die Lorelei“ hören. Es kam, wie es kommen musste – der Ire der Gruppe (ich) musste sich eine Gitarre ausleihen, und sang sämtliche Strophen!:P
    (Kein Problem! Bei einem Schüleraustausch nach Hessen hatte ich eine Rheinfahrt an der Lorelei vorbei gemacht, und ich hatte mir sofort eine Single von dem Lied gekauft, das über die Bordlautsprecher abgespielt wurde. Auf der B-Seite war „Grüßt mir das blonde Kind am Rhein“, was ich seitdem auch drauf habe.)
    Noch im Studentenalter hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art. In einem Singing Pub in Donegal kam ein Freund von mir auf den Gedanken, mich als Deutschen auszugeben (wir waren beide Germanisten und konnten uns heimlich deutsch unterhalten.) Sofort kam die Frage, „Kann er singen?“ und sofort antwortetre mein Freund, „Ja!“ Ich hatte gerade ein Deutschlandjahr hinter mir und hatte mich mit der Wandervogellaute und deren Repertoire angefreundet, also ging es los. Lorelei, Auf,auf zum fröhlichen Jagen, Jenseits des Tales und was weiß ich noch. Ich war der Star des Abends!:rolleyes: (musste mich allerdings mit den Bewunderinnen auf gebrochenem Englisch unterhalten!:blush:)
    Ich fragte mich später, welcher junger Deutscher hätte das – so um 1970 herum – geschafft? (Das Singen, nicht das gebrochene Englisch!)

    Ja, German Folk ist gut! Es kommt an! Aber wie die Bibel schon sagt, „Der Prophet ist ohne Ehre im eigenen Land.“ Ich habe mir oft darüber Gedanken gemacht, warum das so ist. Meine Denkansätze: Ja, die Partei hat in den 30er, 40er Jahren das Nationale überzogen. Ganz klar. Sie hat auch den Wandervögeln den Garaus gemacht – gerade denjenigen, die eine positive, lebensfreudige Einstellung zum traditionellen Liedgut hatten. Dann kam 1968 – da war ich gerade ein Jahr in Deutschland – und der „Mief von tausend Jahren“ war zunächst mal ad acta, einschließlich Liedgut. Die Amis brachten Bluegrass, die Briten die Beatles – der Deutsche konnte Musik machen, ohne das Liedgut seines Vaters oder seiner Mutter!

    Nun ist es nicht so, dass es die Generationslücke in UK oder Irland nicht gäbe. Nur war es so, dass Briten und Iren meiner (unmittelbaren Nachkriegs-)Generation eher die Art ablehnten, wie unsere Eltern die alten Lieder brachten (Klavier und Bariton-Solo, etc.) – nicht die Volkslieder selbst. Als wir unsere Ausdrucksform gefunden hatten, konnten wir die Klavierversionen für Gitarre umarrangieren. Die Texte und Melodien waren ja bekannt – und genau darüber definiert sich ja ein Volkslied!

    In Deutschland ist es vielleicht anders. Nicht die Vortragsweise, sondern gleich das ganze Lied galt als von der Vätergeneration vorbelastet. Man lehnte also nicht bloß die Art ab, mit dem nationalen Lied umzugehen, sondern gleich den Inhalt, den Text – also das Volkslied an sich. Dadurch hat die Tradition an Schwung verloren, ist zum Stillstand gekommen.
    Hat ein Ire oder Engländer die aus Amerika eingewanderte Rhythmusgitarre für seine alten Lieder verwendt, so übernahm der Deutsche auch die amerikanischen Folk-Songs mit.

    Was das deutsche Lied braucht, ist eine zeitgemäße Aufführungspraxis. Das Material ist genauso reichlich vorhanden, wie in anderen Ländern. Ich finde, Geisterbahn weist einen möglichen Weg, aber auch die Gruppe Deitsch, auf die Klaus aufmerksam gemacht hat!

    Also, wenn einer hier im Schwäbischen German-Folk machen will – ich bin dabei!

    #1636

    imported_kawewue
    Teilnehmer
    K(n)opflos wrote:
    ….eben als ich hier antworten möchte, beginnt auf ARTE der wunderbare Film „Tess“ von Roman Polanski, der von einer Concertina eingeleitet beginnt, die, zusammen mit einer Tuba und Fidel, einen Reigen junger Mädchen auf dem Weg zum Maientanz anführt!

    20 sec davon steht auf YouTube:
    http://www.youtube.com/watch?v=SefUsQBFfrY

    Der Maientanz ist auch zu sehen:
    http://www.youtube.com/watch?v=ICWvTABnMxQ
    Die Mädels tanzen zu der Melodie „The Gentle Maiden“. Die Noten findet man auf dem http://www.KonzertinaNetz.de

    Gruß, Klaus

    #1637

    imported_tanzigel
    Teilnehmer
    John E Dallas wrote:
    Also, wenn einer hier im Schwäbischen German-Folk machen will – ich bin dabei!

    ….ich auch :shy:

    #1638

    imported_kawewue
    Teilnehmer
    John E Dallas wrote:
    Also, wenn einer hier im Schwäbischen German-Folk machen will – ich bin dabei!

    Aber John,
    bist du überhaupt „authentisch“ genug? :D

    Nix für ungut,
    Klaus

    #1639

    John E Dallas
    Teilnehmer
    kawewue wrote:
    John E Dallas wrote:
    Also, wenn einer hier im Schwäbischen German-Folk machen will – ich bin dabei!

    Aber John,
    bist du überhaupt „authentisch“ genug? :D

    Nix für ungut,
    Klaus

    :D

    Hallo, Klaus,
    No offence taken!

    Bin zwar kein Moslem, aber dennoch ein waschechter Migrant – genau wie die Jungs von Geisterbahn. Ein bisschen Multi-Kulti tut einer Tradition manchmal gut, meine ich.
    Als der aus Wien kommende 3/4-Takt die britischen Inseln erreichte, löste er eine Welle wunderbar singbarer Lieder aus, die heute noch zum Standard gehören. Und wie stünde der Irish trad. Musiker heute da, wenn der Herr Böhm nicht die chromatische Klappenquerflöte erfunden hätte, die alle Orchestermusiker sofort kauften, sodass eine Welle von 6-loch Querflöten für die einfache Landbevölkerung zu Spottpreisen auf den irischen Markt kam?
    Und hat die amerikanische Rhythmusgitarre die britische Folk Music kaputtgemacht? Mit nichten – sie hat sie für eine neue Generation erst zugänglich gemacht!

    So hermetisch und nach innen gekehrt unsere verschiedenen europäischen Musiktraditionen erscheinen mögen – sie sind es nicht! Wir haben stets die gleichen Themen mit ähnlichen Mitteln bearbeitet, wenn auch mit einem anderen Akzent und anderen Schwerpunkte.

    Ich würde wagen zu behaupten, dass ein irischer Folkie eher zu German Folk passt, als mancher deutscher klassischer Musiker!

    So! Und jetzt muss ich mich mit meiner Waldzither hinsetzen und meine Vertonung von Georg Weerths sozialistischem Gedicht „Deutscher und Ire“ (ca. 1845) üben. Selbstverständlich in 3/4-Takt! (Die spielte ich bisher auf der Autoharp: einem amerikanischen Instrument, das auf eine Erfindung aus Markneukirchen beruht! Was heißt „authentisch“?)

    #1640

    imported_kawewue
    Teilnehmer
    John E Dallas wrote:
    kawewue wrote:
    John E Dallas wrote:
    Also, wenn einer hier im Schwäbischen German-Folk machen will – ich bin dabei!

    Aber John,
    bist du überhaupt „authentisch“ genug? :D

    Nix für ungut,
    Klaus

    Was heißt „authentisch“?

    Hallo John,
    gut dass du meinen Smiley ernst genommen hast. Meine Lieblingsgeschichte zum Thema Authentizität geht so: Ein amerikanischer säkularer Jude ist als Tourist in Jerusalem und beobachtet fasziniert einen orthodoxen Junden, der an der Klagemauer sein Gebet verrichtet. Nachdem der Orthodoxe fertig ist, geht er und sagt im Vorbeigehen zum Ami: Wenn es mich nicht gäbe, stündest du nicht hier.

    Wir brauchen beide: Die einen, die die Zeit anhalten und einen Statusquo fixieren, und die anderen, die neue Wege gehen.

    Es gibt das Phänomen, dass lokale Traditionen stilprägend geworden sind: Überall auf der Welt gibt es Blues- und Jazzbands, überall spielen Gruppen irische Musik.

    Als ich noch im Vorstand des Würzburger Folkclubs war, gab es ein Konzertangebot einer schwedischen Gruppe, die irische Musik spielt. Ich war dagegen. Wenn schon eine schwedische Gruppe, dann aber die phantastische schwedische Fiddlemusik, Hambos, Polskas und Brudmarsches!

    Andererseits: Die „ursprüngliche“ Musik ist manchmal nur schwer zu ertragen. Wenn man sich historische Feldaufnahmen anhört: Manchmal kommt der Wunsch nach sofortigem Ertauben auf.

    Mein persönlicher Geschmack steht dennoch der traditionellen Musik näher als die Weltmusik. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: Sardische und korsische Hirtengesänge (Feldaufnahmen) erinnern mich an Zahnarztbesuche. Canta di populo Corsu finde ich klasse (Sie haben die klassische Sing- und Musizierweise den westlichen Hörgewohnheiten angepasst). I Muvrini ist mir zu „popig“.

    Ein Musterbeispiel sind auch die Dubliners, die amerikanische und kontinentale Hörgewohnheiten bedient haben, und zunächst außerhalb Irland bekannter waren, als auf der Insel. Ich fand sie klasse.

    Mit „Weltmusik“ (Grönländer musiziert mit Afrikaner, Mongole und Australier) kann ich wenig anfangen. Aber auch da gibt es Ausnahmen…

    Musikalisch sozialisiert bin ich mit Liederjan, Zupfgeigenhansel, Fiedel Michel, Hannes Wader… Eine „authentische“ hörenswerte Tradition gab es nicht. Und alle haben zunächst „ausländische“ Musik gespielt, bevor sie sich auf ihre deutschen Wurzeln besonnen haben.

    Was Geisterbahn macht, ist für mich Folk aus Großbritannien mit deutschem Text.

    Was Deitsch und Tritorn machen gefällt mir gut, steht in einer deutschen Tradition, aber hat den Kick Innovation, der es hörenswert macht.

    Tradition oder Innovation? Ich antworte mit einem entschiedenen Jein.

    Gruß, Klaus

    #1641

    Suchender
    Teilnehmer

    Ach, hallo John,
    lerne wieder viel durch deine Anekdoten; und zu schmunzeln gibt´s da auch immer was..

    John E Dallas wrote:
    In einem Singing Pub in Donegal kam ein Freund von mir auf den Gedanken, mich als Deutschen auszugeben (…)
    Sofort kam die Frage, „Kann er singen?“ (…)
    hatte mich mit der Wandervogellaute und deren Repertoire angefreundet, also ging es los. Lorelei, Auf,auf zum fröhlichen Jagen, Jenseits des Tales und was weiß ich noch…

    …musste mich allerdings mit den Bewunderinnen auf gebrochenem Englisch unterhalten!

    Schrieb eben an einer Antwort auf einen Deiner vorherigen Beiträge, doch jetzt will ich doch lieber mal fragen,
    ob es den Pub in Donegal denn immer noch gibt….gebrochenes Englisch dürfte ich auch noch hinkriegen?!!

    (ein paar alte deutsche Lieder kann ich mittlerweile ebenfalls:
    „Ännchen von Tharau“ kenne ich etwa aus dem „Leo Sechseck“, und es ist mir auch zu einem Liebling geworden)

    Mit der Authentzität ist eh´so ´ne Sache…das Wort allein sprich irgendwie schon gegen sich.

    Ich singe z.B. gerne deutsche Balladen zur Begleitung der „Deutschen Konzertina“
    ( die getragenen- die schnelleren Akkordwechsel liegen mir nicht so ), aber wie authentisch ist denn das denn überhaupt ( bei aller herrlich altertümlichen Wirkung )?

    Dieses 20-knöpfige Instrument, mit sechs Ecken, das ja mittlerweile sozusagen synonym ist mit diesem Begriff („Deutsche Konzertina“) ist ja nichts anderes als die „German Concertina“ die, auf den britschen Inseln (politisch richtig?) seit Mitte des 19. Jhd. bis Heute eine gewisse Rolle spielte, als billiges Alternative zur engliscnen Verwandschaft.

    In Deutschland hingegen- so meine Überlegung- hat sie in der Volkmusik eigentlich gar keinen Platz mehr gehabt ( auch wenn man von der Sechseckform einmal absieht ), schon wenige Jahrzehnte nach ihrer Entwicklung. Ein Hinweis dafür könnte sein, daß die Wandervogelbewegung scheinbar keinen Gebrauch von ihr machte, trotz ihrer Handlichkeit…
    zu dieser Zeit waren ja längst die viel größeren, schwereren Nachkommen (in Carlsfelder, Chemnitzer u.A. Stimmungen) in Mode.
    Ich stelle mir vor, das erst das große Folk-Revival, das auch die irische Musik so ungeheuer Populär machte ( warum eigentlich nicht z.B. die englische- hat jemand eine Antwort darauf? ), sie auch in beide Teile Deutschlands brachte, das leichtgewichtige, charmante Kästchen wieder in Erinnerung brachte- sie waren ja, im klingenthaler „Musikwinkel“ immer weiter hergestellt worden.

    Na ja, nur so eine Vermutung, wennauch eine sehr ausufernde…

    …so viel noch: wenn ich dann mal Gesang und „Deutsche Konzertina“ erklingen lasse, höre ich schon mal die Reaktion „Da fühlt man sich ja ganz wie im Mittelalter!“

    Hallo auch Klaus,
    Du hast mir vorausgegriffen, hatte ich mir doch auch überlegt, im Netz nach Filmausschnitten von „Tess“ zu suchen, und an „Deitsch“ hatte ich auch schon gedacht- danke!

    Nun gute Nacht und beste Grüße!
    Adam

    #1643

    John E Dallas
    Teilnehmer
    K(n)opflos wrote:
    Schrieb eben an einer Antwort auf einen Deiner vorherigen Beiträge, doch jetzt will ich doch lieber mal fragen,
    ob es den Pub in Donegal denn immer noch gibt….gebrochenes Englisch dürfte ich auch noch hinkriegen?!!

    Hi, Adam,
    Gute Frage – schließlich liegt mein dortiger Auftritt etwa 40 Jahre zurück!

    Aber Google sei gelobt! es gibt es noch! Hier die Homepage: http://www.leostavern.com/

    Wenn du auf die Webseite gehst, merkst du, das Leo’s Tavern nicht irgendein Singing Pub ist! Der Inhaber heißt Leo Brennan, hat also den gleichen Nachnamen, wie die meisten Mitglieder der Gruppe Clannad. Und das ist kein Zufall – er ist deren Vater! Seine bekanntesten Töchter sind Moya Brennan und Enya! Alle hatten ihre ersten Auftritte auf Leo’s offener Bühne, vom Vater am E-Akkordion begleitet. Auf der selben Bühne, wo ich Deutscher sein durfte!
    Die späteren Mitglieder von Clannad waren damals noch jung und bedienten im Pub hinter der Theke – die Gruppe gab es erst ein paar Jahre später. Mein „Deutschtum“ kam so:
    Diese Ecke von Donegal ist gaelischsprachig. Die Jungs hinter der Theke, obwohl (oder weil?) sie an unserem Akzent merkten, dass mein Kumpel und ich aus Antrim, also rein englischsprachig waren, redeten weiterhin Gaelisch. Wir beide – wie gesagt: Germanistikstudenten – konterten mit Deutsch. Grund dafür war das überaus hübsche Mädchen hinter der Theke, deren elfenhafte Erscheinung wohl jedem als Gesprächsstoff hätte dienen können. Mein Kumpel hatte die erste Runde Bier bestellt, und es fiel ihm ein, dass ich im Pub noch kein Wort Englisch gesprochen hatte – daher die spinnerte Idee mit der falschen Identität! Die Geschichte nahm ihren Lauf …
    Das hübsche Mädchen war wohl Moya Brennan, die mittlerweile weltbekannte Sängerin! Enya war damals wohl noch zu jung, um Thekendienst zu schieben.

    Es gab ein Nachspiel. Ein Jahr später waren mein Kumpel und ich wieder in Crolly – er wollte mir das Golfen beibringen, und die schier endlosen Sandstrände von Donegal sind ideale „driving ranges“. Diesmal hatte ich meine Wandervogellaute dabei und hatte mein deutsches Repertoire aufpoliert (ebenso mein gebrochenes Englisch). Man erkannte mich wieder, und der Erfolg wiederholte sich.
    Manchmal denke ich so im Stillen, ob die junge Gruppe Clannad, die der irischen Musik so schöne, neue Impulse gegeben hat, manchmal an die Lieder des jungen „Deutschen“ dachten und vielleicht die eine oder andere Anregung daraus gezogen hat?
    Man darf ja träumen!:sleepy:

    Also, Adam, wenn du in der Nähe sein solltest, geh mal hin, und nimm deine deutsche Konzertina mit! Und viel Spaß!
    Ach ja, und der deutsche Gaststudent mit der Laute damals (1969/70) hieß Johann Thalhausen (wörtliche Übersetzung meines wirklichen Namens), falls einer danach fragen sollte!

    Ach, die Musik ist sooooo schön!

    #1646

    imported_kawewue
    Teilnehmer
    K(n)opflos wrote:
    Dieses 20-knöpfige Instrument, mit sechs Ecken, das ja mittlerweile sozusagen synonym ist mit diesem Begriff („Deutsche Konzertina“) ist ja nichts anderes als die „German Concertina“ die, auf den britschen Inseln (politisch richtig?) seit Mitte des 19. Jhd. bis Heute eine gewisse Rolle spielte, als billiges Alternative zur engliscnen Verwandschaft.

    In Deutschland hingegen- so meine Überlegung- hat sie in der Volkmusik eigentlich gar keinen Platz mehr gehabt ( auch wenn man von der Sechseckform einmal absieht ), schon wenige Jahrzehnte nach ihrer Entwicklung. Ein Hinweis dafür könnte sein, daß die Wandervogelbewegung scheinbar keinen Gebrauch von ihr machte, trotz ihrer Handlichkeit…
    zu dieser Zeit waren ja längst die viel größeren, schwereren Nachkommen (in Carlsfelder, Chemnitzer u.A. Stimmungen) in Mode.

    Hallo Adam,
    die Tonerzeugung mit schwingenden Zungen wurde ca. 1830 erfunden. Die Instrumente dazu kurz darauf. Über die Verbreitung de Deutschen Konzertina habe ich kaum Informationen. Für traditionelle Musik ist es ein sehr junges Instrument. Ich hatte mal ein Buch über deutschen Folk, das ich mir zur Sicherheit doppelt gekauft habe, aber leider doppelt verliehen habe. und leider, doppelt nicht zurückbekommen habe. Darin war ein Artikel eines Liederjan-Gründers, der berichtet, dass Deutsche Konzertinas an der Nordseeküste durchaus verbreitet waren, und dass die Liederjaner, die ja vorher Irish Folk gemacht haben ( Tramps and Hawkers) entdeckt haben, dass sie bei ihrer musikalischen Sozialisation an der Konzertina nicht vorbei gekommen waren. Als sie dann deutschen Folk machten, war die Konzertina an Bord.

    Ich sehe da durchaus Forschungsbedarf: Wie hat es die Deutsche Konzertina von ihrer Erfindung her bis in die Gegenwart geschafft?

    Gruß, Klaus

    #1648

    Suchender
    Teilnehmer

    Hallo Klaus,

    es wird ja immer behauptet, die deutschen Seefahrer hätten keine Konzertinen an Bord der Schiffe und in die weite Welt mitgenommen, sondern eher Handhamonikas/ diatonische Akkordeone.
    Da zur musikalischen Grundausstattung auf britischen Schiffen aber die Concertina gehört haben soll, werden wohl neben „Anglos“ auch viele „German Concertinas“ Salzluft geatmet
    haben…
    wer weiß, es wurden vielleicht einige an der Waterkant angeschwämmt.

    Aber ernsthaft: die Landschft an der Nordseeküste, überhaupt Norddeutschland, ist ja besonders weitab der industriellen Entwicklung gewesen, womit es ja auch keine Arbeitervereine gab, die ja wohl die großen Konzertinen und Bandonione zu Pflicht machten ( zum „must have“ ),
    dazu blieb diese Gegend wohl auch besonders arm, evtl. hielten sich deshalb dort auch die kleinen 20-Knopf-Versionen.

    Nun, John, ich wollte mal sehen, für wen Dich mit der Tarmkappe des Johannes Thalhausers austaffiertest….

    http://www.youtube.com/watch?v=XlIBYtodrUI

    …..fast hätte ich gefragt, ob´s sich gelohnt hatte, doch als Gentleman müsstest Du dazu ohnehin schweigen.

    Ja, nach Irland müsste ich doch auch endlich mal fahren- nicht zuletzt, weil man hierzulande eher nicht von jungen Elfinnen angeschmachtet wird, wenn man Volkslieder singt.

    Obwohl…im unabhängigen Kunstraum einiger Bekannter, wo immer der „heißeste Scheiß“ des musikalischen „Underground“ auf die Bühne gebracht und abgefeiert wird,
    nötigte mich ein bester Freund, mich mit der Concertina vor dem verbliebenen Publikumsrest gesanglich zu produzieren.

    Als ich dann, mich mit einfachsten Akkorden selbst begleitend, „Es geht eine dunkle Wolk herein“ und das flämische „Meiplanting“ anstimmte
    ( das Flämische mutet mir immer an, wie ein altertümlicher Dialekt unserer Sprache- die Flamen mögen mir das verzeihen!), hing man tatsächlich an meinen Lippen ( Man möge mir die Prahlerei verzeihen- es geht ja nur um die Sache!)
    …eben noch hipper Art-Pop aus NYC und dann altbackener Liederkram…das geht wohl doch zusammen!
    Einige junge Frauen waren wohl auch unter der Zuhörerschaft.

    Aber morgen gibt sich ein Pub in Bonn ebenfalls als Singing Pub ( 1x monatlich ), da sollte ich mich mal hinbegeben; viellecht darf ich da mal eine „Suttner“ befingern, wenn ich ein irisches Lied anstimme!?!

    Viele Grüße,

    Adam

    #1650

    John E Dallas
    Teilnehmer
    K(n)opflos wrote:
    …eben noch hipper Art-Pop aus NYC und dann altbackener Liederkram…das geht wohl doch zusammen!

    Hi, Adam,

    Ja, ich glaube, Leonard Bernstein hatte Recht, als er sagte, er unterscheide nicht zwischen Klassik und Pop sondern zwischen guter Musik und schlechter Musik. Es gibt in jeder Genre Musiker, die so gut sind, dass du begeistert bist, auch wenn es nicht „dein“ Genre ist. Und natürlich auch welche, die dich kalt lassen, auch wenn du das Genre liebst.

    Mein Gefühl ist, dass Musik erst in dem Moment gut oder schlecht wird, wo sie aufgeführt wird. Die Partitur auf dem Blatt oder die Melodie in deinem Kopf hat das Potenzial zu beidem. Musik entsteht in dem Augenblick, in dem sie aufgeführt wird und ist sofort danach bloß eine Erinnerung im Kopf des Zuhörers. Die Art des Vortrags ist also entscheidend für den Qualitätsurteil bzw. für das Mögen/Nichtmögen.

    Demnach hast du deinen „altbackenen Liederkram“ gut herübergebracht!

    Natürlich gehen nicht alle Pop-Begeisterte gleich hinaus und kaufen sich Folk-CDs – aber bei offenen Bühnen, wo man eine breite Palette an Musik geboten bekommt, merkt man, dass die Zuhörer bevorzugt die guten Vorträge mit Applaus honorieren, nicht die Vorträge aus gewissen Genres.

    Fazit: Spiele was du willst auf was du willst, aber spiele es so, dass man’s mögen muss!

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