Deutsches Volkslied & der Blick von Außen

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Dieses Thema enthält 17 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  John E Dallas vor 4 Jahre, 2 Monate.

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  • #1652

    Suchender
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    John E Dallas wrote:
    Fazit: Spiele was du willst auf was du willst, aber spiele es so, dass man’s mögen muss!

    Hallo John,

    das ist wohl wahr, die Meißten verstehen und schätzen wohl, wenn´s schön ist….nicht Alle, so es auch Intensität hat…das halten Einige nicht aus.

    Am wichtigsten ist aber, daß die Lieder gesungen werden und bleiben, noch besser als auf der Bühne,
    in netter, gemeinschaftlicher Runde, sowohl für- als auch miteinander.
    So erhalten sie sich, so werden sie zu einem Gemeingut, das einen leichten Zugang bietet,
    so können alle Willigen einbezogen werden,
    weil die Stücke leicht zu lernen,
    als auch zu singen sind ( bei englischsprachigen mindestens beim Refrain ).

    Dieses „Gemeingut“ taugt dann auch zu einfacher handhabbaren Gegenstücken,
    etwa zu Jazz-Standards, die ja auch daher so gut funktionieren, weil man weiß was kommt,
    und sich über erfüllte Erwartungen, wie auch den Bruch der Erwartungshaltung freuen kann.

    Momentan gehen, im Fall der alten deutschen Lieder, die jungen Gruppen wie „Tritron“ oder „Aitchy& Else“ eher vor wie die Interpreten „Alter Musik“,
    die Liederbücher und Manuskripte in den Archiven durchforsten,
    auf der suche nach Material für´s kommende Programm, die neue CD…notgedrungen.

    Im Pub war´s Heute/Gestern leider zu laut, als das ich die schönen irischen Lieder hätte aufschnappen können (zumindest teilweise),
    die dort gegen den Gesprächslärm angesungen wurden.

    Aber da die irische und englischsprachige Gesangstradition sich, von Sängersmund zu Sängersmund,
    am Leben erhält, ist es ja auch kein Problem mal etwas im Internet nachzuhören,
    denn auch da tummelt sich der Gesang mannigfaltig,
    findet man fast jeden Song zum Hören und Nachsingen.

    Beim deutschen Repertoire ist das ganz was Anderes;
    man findet weder viele Singende,
    denen man lernend lauschen könnte,
    noch ist die weite Welt des Netzes eine Fundgrube-
    so bleiben die allermeißten schönen Lieder tote Materie,
    zumindest für Notenunkundige wie mich.

    Es bieten zwar einige Seiten MIDIS an, aber die lassen auch Nichts wirklich lebendig werden…

    Lieder brauchen halt Stimmen!

    So phantasiere ich manchmal über ein Projekt,
    ähnlich dem „A Folksong a Day“ des Jon Boden,
    nur eben viel „deutscher“, soll heissen akribischer,
    soll heissen „buchhalterischer“…

    ..es wäre wirklich schön, wenn z.B. die Lieder des Wandervogelbüchleins „Zupfgeigenhansl“ eingesungen wären, mit „normaler“ Singstimme,
    bestenfalls ohne übertriebene künstlerische Ambitionen ( die die Nachsingbarkeit beinträchtigen würden ),
    a Capella, oder begleitet von den sparsamen Akkorden im Buch.

    Aber das Künslterische, das Persönliche sollte natürlich auch seinen Raum erhalten können,
    den sozialen Plattformen sei Dank:
    den „Rohfassungen“ könnten eigenwillige, eigensinnige Interpretationen gegenübergestellt und angefügt werden,
    unbedingt auch andere, abweichende Variationen
    ( Youtube z.B. bietet hier die Möglichkeit der Videoantwort ).

    Weil ich jedoch Noten- wie auch IT-Analphabet bin, bleibt´s bei der Idee.

    Nun ist´s wie der lang geworden, und spät,
    so will ich verabschiedend noch mal ein Ausschnitt aus dem Film „Sound of Heimat“,
    wo das schön „verkünstelte“ Variation des Profi-Musikers zusammengeht mit den sehr eingängingen Versionen besonders schöner Lieder:

    http://www.youtube.com/watch?v=jPf3pO2YQ-M

    http://www.youtube.com/watch?v=FXpqChFpYR4

    ( Irgendwo gibt´s auch noch einen Ausschnitt mit einem alten vogtländer Konzertinisten- wer´s finden sollte, könnte ihn ja hier einfügen )

    Servus,
    Adam

    P.S. ein kleiner Tribut noch an den Reiseführer des Films,
    Hayden Chisholm, der nicht nur ´zig Instrumente meisterlich beherrscht, sondern auch singen kann, inkl. erwieterter Vokaltechniken:

    http://www.youtube.com/watch?v=J9cYqAqq3nI

    http://www.youtube.com/watch?v=VubGe9Tq1Ao

    #1657

    Suchender
    Teilnehmer

    Hallo,

    nochmals eine Radiosendung des WDR3-Rundfunks, und ein besonderer „Außenblick“,
    ein „Schatzheben“ und „Re-Import“ gleichenfalls:

    Die Gruppen „ALPENKLEZMER“ und „VOICES of ASHKENAZ“

    ergründen mit ihren Programmen die Gemeinsamkeiten der osteuropäisch-jüdischen und der deutschen Volksmusiktradition.

    http://www.wdr3.de/musik/musikkulturenbeiwdr3/konzert446.html

    Was nach fast 1000 Jahren Leben in deutschen Gegenden aufgenommen, bei der der Vertreibung in den Osten mitgenommmen,
    und dann dort beibehalten wurde,
    wird abgeglichen mit dem, was sich in Deutschland sich erhalten hat…

    …eine aufschlußreiche Reise in ein Uraltes Feld voll von Geschichten und Melodien…

    …zu alten jiddischen und deutschen Liedern.

    Viel Freude und Grüße!
    Adam

    #1661

    John E Dallas
    Teilnehmer
    kawewue wrote:
    Andererseits: Die „ursprüngliche“ Musik ist manchmal nur schwer zu ertragen. Wenn man sich historische Feldaufnahmen anhört: Manchmal kommt der Wunsch nach sofortigem Ertauben auf.

    Mein persönlicher Geschmack steht dennoch der traditionellen Musik näher als die Weltmusik. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: Sardische und korsische Hirtengesänge (Feldaufnahmen) erinnern mich an Zahnarztbesuche. Canta di populo Corsu finde ich klasse (Sie haben die klassische Sing- und Musizierweise den westlichen Hörgewohnheiten angepasst). I Muvrini ist mir zu „popig“.

    Klaus,
    diese Einstellung kann ich gut nachvollziehen.

    Allerdings kann man historische Feldaufnahmen nur schwer mit moderner Aufführungspraxis oder kommerziellen Aufnahmen davon vergleichen. Den Folkloristen ging es darum, die alten Lieder auf Deuvel komm ‚raus irgendwie festzuhalten. Da war es ihnen egal, dass derjenige, der ein Lied noch kannte und die Vortragsweise noch beherrschte, steinalt und längst am Gipfel seines Könnens vorbei war, und dass er ein schlechtes Instrument hatte. Oft war der einzige Vertreter des Genres auch nie der beste Sänger/Musiker gewesen – bloß der langlebigste!
    Kommt hinzu, dass die frühen Folkloristen, die die „ursprünglichsten“ Versionen der Traditionen festhielten, kein Hi-Fi-Equipment zur Verfügung hatten – oft nur Wachszylinder. Was dabei herauskam war beileibe kein Hörvergnügen – aber allemal besser als die notenschriftlichen Notizen eines klassischen Musikers, der oft kein Kenntnis der Modi oder der Mikrotonalitäten hatte, die in der ethnischen Musik vorkommen.

    Feldaufnahmen dürften m.E. eigentlich nur Musikern aus der Region der Aufnahmen zugänglich gemacht werden. Diese sind in der Lage, die Unzulänglichkeiten der alten Vorträge und der alten Aufnahmen zu überwinden und eine sprachlich und musikalisch stimmige Version aufzuführen. Eine Musiktradition lebt davon, dass jede Generation das Material mit neuen, zeitgemäßeren Mitteln realisiert. Das trifft für Lieder zu, die unseren Vätern und Großvätern vertraut waren, aber auch für Lieder, die wir nur noch von alten Feldaufnahmen kennen.

    Wesentlich bei einer traditionellen Musik sind Text und Melodie – das Material. Vortragsweise und Instrumentierung – die Aufführungspraxis – sind einem permanenten Wandel unterworfen. Und es liegt in der Natur der Sache, dass wir den Stand der Tradition am liebsten hören, der von unseren Zeitgnossen vertreten wird!

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